Jesus antwortete und sprach zu [Nikodemus]: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Johannes 3,3 (Elberfelder Bibel)

 

Früher hatte ich in meinem Bücherschrank Sprüche angeheftet, die mir besonders gefielen. Zu ihnen gehörte auch der Ausspruch: „Wer nicht alles mit sich machen lässt, hat schon viel aus sich gemacht.“

Man sollte nicht mit einem sprunghaften Cha­rakter dahinleben, also ohne zu wissen, was man will. Klare Ziele und Überzeugungen sind einfach notwendig. Wie aber wird man zu einer zuverlässi­gen Persönlichkeit? An Methoden und Angeboten, das Selbstbewusstsein zu stärken, mangelt es nicht. Allerdings geht es dabei meistens um „Fassaden­kosmetik“. An den selbstsüchtigen Kern des Men­schen, das Ego (das im Neuen Testament „das Fleisch“ genannt wird), kommen diese Techniken nicht heran.

Jesus wies dem fragenden Nikodemus in unserem Andachtswort einen anderen Weg: „von neuem (oder: von oben her) geboren werden“. Weiter erklärte er: „Was Menschen zur Welt bringen, ist und bleibt von menschlicher Art. Von geistlicher Art kann nur sein, was vom Geist Gottes geboren wird.“ (V. 6 GNB; wörtlich: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aus dem Geist gebo­ren ist, das ist Geist“, EB).

Es geht hier also um eine radikale Veränderung, eine Veränderung, die nicht an der Fassade ansetzt, sondern an der Wurzel beginnt („radikal“ kommt vom Lateinischen radix = Wurzel). Durch die Neu­geburt wird also aus dem „fleischlichen“, egoisti­schen Menschen ein geistlicher Mensch, den mehr und mehr die Liebe bestimmt. Natürlich sind Rück­fälle möglich, sonst wären die häufigen Ermah­nungen des Apostels Paulus unnötig (z. B. in 1 Kor 2 und 3; Gal 5, Eph 4 und 5). Aber genauso sind Reue, Vergebung und ein Neubeginn möglich.

Gefestigt und weiter verändert werden wir nach diesem neuen Anfang bei der Neugeburt dadurch, dass der Geist Gottes in uns wohnt (Röm 8,9). Gottes Geist in uns - das ist das Geheimnis! Christus sehnt sich danach, durch den Geist in seinen Nachfolgern zu „wohnen“ (Joh 14,23). Er macht aus ihnen solche Persönlichkeiten mit klaren Zielen und von Liebe bestimmt, auf die man sich verlassen kann, weil die Fassade und das Innere übereinstimmen. Dabei vergessen sie nie: Was sie sind, ist Gottes Gnade und Werk, nicht ihr Verdienst.

Konrad Edel

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